Karate & Co in der Sportwetten Branche: Widerspruch oder Potenzial?

08.03.2016

Kampf- und Karatesport in Österreich - eine Liebesgeschichte? Ja, wenn einen Blick in die jüngere Vergangenheit riskiert. In der Alpenrepublik bewältigte man durch die Ausrichtung der Karate-Weltmeisterschaft vor knapp zwei Jahren in Oberösterreichs Landeshauptstadt Linz einen infrastrukturellen Höhepunkt mit Bravour.

Man mag es Kitsch nennen, dass mit Alisa Buchinger ausgerechnet eine Lokalmatadorin vor eigenem Publikum für einen der größten Erfolge in Österreichs Karate-Geschichte sorgte und den Weltmeistertitel erkämpfte. Im Februar 2018 tat es ihr Lora Ziller mit Bronze bei den Nachwuchs-Europameisterschaften im russischen Sotschi beinahe gleich. Dennoch fliegen derartige Errungenschaften viel zu häufig unter dem medialen Radar.

Die Frage nach dem Grund für diese Entwicklungen bleibt unbeantwortet. Immer noch werden die Ski-Helden der 70er, 80er und 90er Jahre wie Helden verehrt, während Erfolge wie jener Buchingers bestenfalls wenige Tage in den Schlagzeilen zu finden sind. Österreich ist in erster Linie eine Ski-, in zweiter Linie eine Fußball-Nation. Dabei haben die so genannten "Randsportarten" wie Karate - wiederum in Sachen Infrastruktur und Erfolg - König Fußball schon seit langem den Rang abgelaufen. Von der Ausrichtung einer Fußball-Europameisterschaft ist Österreich seit 2008 so weit entfernt wie die heimische Gastronomie von einem generellen Rauchverbot oder Österreichs Schüler von der viel zitierten täglichen Turnstunde. Die Bewerbung für die Olympischen Winterspiele wurde von der Tiroler Bevölkerung kürzlich abgelehnt, moderne Sportstätten sucht man - speziell im Fußball - mit wenigen Ausnahmen vergeblich.

Dennoch findet sich die Dominanz der genannten Sportarten auch in einer Branche wieder, die hierzulande eine der am stärksten wachsenden Sparten darstellt. Gemeint ist der Bereich der Sportwetten, wo heimische Unternehmen wie Bwin oder bet-at-home zu den absoluten Branchenführern zu zählen sind. Das Beratungsunternehmen Kreuzer, Fischer & Partner hat bereits vor einigen Jahren - genauer 2015 - errechnet, dass der Umsatz durch Glücksspiel- und Sportwetten innerhalb eines Jahres bei etwa 1,5 Milliarden Euro liegt, wobei auf die Sportwetten-Sparte 157,6 Millionen Euro entfielen - das größte Plus innerhalb der gesamten Branche. Nicht umsonst findet man auf unterschiedlichsten Seiten die lukrativsten Bonusangebote, aktuellste Prognosen und Boni, nachzulesen beispielsweise auf wettformat.com.

Kampfsport und im speziellen Karate haben Branchenmitglieder bislang noch kaum für sich entdeckt. Hier lohnt sich vor allem ein Blick über den großen Teich bzw. in andere europäische Länder. So hat etwa die Ultimate Fighting-Championship (UFC) - eine Sportart, bei welcher unterschiedliche Kampfsport-Stile und -Disziplinen gegeneinander in den Ring steigen - seit Längerem den Weg auf unsere Bildschirme und auch ins Programm der Wettanbieter gefunden. Als Beispiel kann hier der britische Buchmacher bet365 dienen, in Österreich sprang Bet-at-home seinen Mitbewerbern voraus und sprang als Erster auf diesen Zug auf, der mittlerweile mit rasanter Geschwindigkeit durch die Medienlandschaft rast.

Es ist also wohl nur eine Frage der Zeit, bis auch der Karate-Sport einer größeren Zahl an Wettfreunden als willkommene Alternative ans Herz gelegt werden wird. Ein großer Schritt in diese Richtung könnte etwa mit den Olympischen Spielen 2020 im japanischen Tokio getan werden. Die Sportart gibt in diesem Jahr ihr Debüt auf der ganz großen internationalen Sportbühne. Dass Karate genügend Potenzial liefert, um das Wettvergnügen in rundum den Erdball zu befriedigen, steht außer Frage. Immerhin werden bei den anstehenden olympischen Spielen nicht weniger als 16 Titel in den beiden Kategorien und unterschiedlichen Gewichtsklassen der elftgrößten Weltsportart vergeben. Neben Wetten auf den Sieger/die Siegerin könnten etwa ebensolche auf genaue Punktzahlen zu Geld gemacht werden.

Gut möglich also, dass sich die Erfolge von Buchinger & Co in wenigen Jahren nicht nur in der medialen Berichterstattung, sondern auch auf dem Konto des einen oder anderen Sportwetten-Fans gewinnbringend niederschlagen.